Internet gefährdet Zwischenhändler - Experte sieht Musik- und
Buchbranche bedroht - BILD
Wien (MMM - 30.07.2010 13:05 Uhr) Musikindustrie, Reisebüros oder Buchhändler sollen
sich "Innovationen nicht in den Weg stellen" - Kriminalisierung und
Lobbying nicht zielführend - Experten diskutierten über Innovationen
von morgen
Der "Vater" des österreichischen Internet erwartet, dass
Zwischenhändler durch technische Innovationen massiv vom Aussterben
bedroht sind. Unerwartete Entwicklungen, etwa durch neue
Internet-Angebote, "bringen auch Verlierer hervor. Die Gesellschaft
soll sich davon aber nicht in Geiselhaft nehmen lassen", erklärte
Peter Rastl, ehemaliger Direktor des Zentralen Informatikdienstes der
Universität Wien, bei einer Veranstaltung der
APA-E-Business-Community Donnerstagabend in Wien.
Man dürfe sich Innovationen nicht in den Weg stellen. Als Beispiel
nannte Rastl die Musikindustrie, "die glaubt auf das Urheberrecht,
das auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht, pochen zu
können". Betroffen seien aber auch Reisebüros oder Buchhändler.
Generell werde oft versucht, "etwas zu kriminalisieren oder durch
politische Maßnahmen bzw. Lobbying hintanzuhalten". Es sei aber nicht
lösungsorientiert, wenn Lexika-Anbieter Wikipedia oder die Setzer die
Textverarbeitungsprogramme von Microsoft verhindern hätten können.
"Der Kunde wird mündiger und sucht sich den Lieferanten selber aus",
so Rastl.
Allerdings müsste dazu der "digital divide" geschlossen werden.
"Internetkompetenz braucht in Zukunft jeder. Dazu muss es auch
Veränderungen im Bildungswesen geben", forderte der Experte, der für
die Installation einer Standleitung zwischen seiner Arbeitsstätte und
CERN am 10. August 1990 verantwortlich war und damit vor 20 Jahren
die Geburtsstunde des heimischen Internets eingeläutet hat. Der
Politik fehle aber möglicherweise der technische Weitblick, siehe
Vorratsdatenspeicherung. "Die Terroristen müssen sich ins Fäustchen
lachen, wenn wir die Grundwerte der Gesellschaft opfern", sagte
Rastl, der enormes Missbrauchspotenzial ortet.
Innovationen erobern Alltag immer schneller
"Der Rohstoff der nächsten Generation heißt Wissen. Die Basis für
dessen Nutzung ist das Internet", gab sich auch Martin Fluch von der
A1 Telekom Austria AG überzeugt. Dienste, die noch vor wenigen Jahren
unvorstellbar waren, würden manchmal binnen weniger Monate ins
Zentrum unseres täglichen Lebens rücken. Beispiele dafür seien Web
2.0, User Generated Content oder Location Based Services. Große
Erwartungen setzt Fluch auch in Cloud Services, also über das
Internet angebotene Speicher-, Rechen- bzw. Softwareressourcen. "Was
bringt es, Fotos auf der Digitalkamera zu haben, wenn man sie
herzeigen will? Die Zukunft ist, jederzeit auf seine Daten zugreifen
zu können."
Die Infrastruktur werde sogar noch wichtiger als in der
Vergangenheit, pflichtete Dieter Kittenberger von HP Österreich bei.
"Wer glaubt, dass viele Unternehmen auch noch in zehn Jahren eigene
IT-Abteilungen haben werden?", sieht er die Cloud Services auf dem
Vormarsch. Die Zukunft des Internet werde dadurch geprägt sein, dass
der konkrete Nutzen für den Einzelnen noch stärker im Mittelpunkt
stehe: "Individualisierte Services und partizipative
Kommunikationsmodelle werden nur einige der Ausprägungen sein",
erklärte Kittenberger.
KMU haben bei Cloud Services noch Berührungsängste
Gerade Klein- und Mittelbetriebe (KMU) könnten sich durch Cloud
Services wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, so Gerhard
Laga vom E-Center der Wirtschaftskammer Österreich. Diese Dienste
würden von Spezialisten deutlich professioneller und effizienter
angeboten, allerdings gebe es noch Berührungsängste. Hier müsse noch
Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Die Cloud sei "ein hippes Thema, aber die Mehrheit der Klein- und
Mittelbetriebe hat für die nächsten fünf Jahre keine Pläne,
entsprechende Services zu nutzen. Außerdem wollen viele ihre Daten
nicht außer Haus geben", bremste Thomas Jäkle vom WirtschaftsBlatt
die Erwartungen. Das Internet habe zwar ein bisschen gehen gelernt,
aber so richtig in Schwung gekommen sei es nicht. "Dazu waren die
vergangenen 20 Jahre zu technologielastig. Es braucht noch einiges,
um Innovationen der breiten Masse näher zu bringen", so Jäkle.
Funktionierende Geschäftsmodelle sind Mangelware
Oft fehlten einfach funktionierende Geschäftsmodelle, ergänzte
Marcus Hebein von APA-MultiMedia. Bei vielen Innovationen im
Internetbereich sei der Ablauf folgender: Zuerst komme die
Technologie, dann eine Masse an Nutzern. Allerdings gebe es zu diesem
Zeitpunkt noch immer kein Businessmodell. "Jeder setzt voraus, dass,
wenn die ersten beiden Punkte erfüllt sind, sich auch automatisch ein
Geschäftsmodell ergibt", erklärte Hebein. Das sei aber oft nicht der
Fall.
Bei der Frage nach den Innovationen der nächsten Jahre verwiesen
die Experten auf durchaus unterschiedliche Trends: Kittenberger sieht
das "Internet der Dinge" - also die Netzanbindung von Geräten aller
Art - als enorm zukunftsträchtig: "Das wird uns noch massiv
beschäftigen. Sensoren an Brücken können etwa über das Internet ihren
aktuellen Status melden." Laga erwartet sich neue Arten der
Interaktion, "die Tastatur wird immer unpassender".
Hebein prognostiziert "mehr Ordnung": "Auch wenn immer mehr
Informationen zur Verfügung stehen, wird jeder die Services nutzen
können, die er haben will und in der konkreten Situation braucht. Das
ist auch notwendig, um nicht von der Infoflut überrollt zu werden."
In dieselbe Kerbe schlägt Fluch: "Es gibt Unmengen an Informationen,
aber künftig werden sie abgestimmt auf Sachen aufbereitet, die wir zu
dem Zeitpunkt wirklich brauchen."
Jäkle sieht das Internet "zu einer unglaublichen Datenschleuder
verkommen". Doch "die Googleisierung und Facebookisierung" werde
nicht das Glückseligmachende sein. Die einzige Voraussage, die Rastl
treffen wollte, ist: "Weitere unerwartete Entwicklungen sind zu
erwarten."
Die Plattform
Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit neun
Jahren existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur
Aufgabe gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu
vermitteln und Geschäftskontakte zu erleichtern.
Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- A1 Telekom Austria AG www.A1TelekomAustria.at
- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
- CELLULAR GmbH www.cellular.at
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- economyaustria http://economyaustria.at
- Hewlett-Packard www.hp.com/at
- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- SAP Österreich GmbH www.sap.at
- UC4 Software GmbH www.uc4.com
- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at
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Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
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E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
E-Mail: ebc@apa.at
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